08.05.2019 – 24.05.2019

9.Etappe: Westschwedische Schären; Das Kattegat und das Skagerrak ¦ 126,72NM


Das Kattegat (niederdeutsch, „Katzenloch“) ist das nordwestliche Seegebiet der Ostsee. Im Norden stösst es an den Skagerrak (Nordsee), im Süden wird es durch das Seegebiet Belte und Sund begrenzt. Die westliche Grenze ist Jütland (Dänemark), die östliche Schweden.
Der Tidenhub der angrenzenden Nordsee macht sich im Kattegat mit ca. 0,3m nur wenig bemerkbar.

Das (oder auch der) Skagerrak ist ein Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands (Dänemark), der Südküste Norwegens und der Südwestküste Schwedens.
Das Skagerrak verbindet über das Kattegat die Nordsee mit der Ostsee. Benannt ist es nach Skagen am nördlichsten Ende Jütlands; das niederländische Wort „Rak“ bedeutet etwa „gerade Wasserstrasse“.
Das Skagerrak ist 240 km lang und zwischen 80 km und 140 km breit. Es wird immer tiefer zur norwegischen Küste hin und erreicht letztendlich eine Tiefe von über 700 m.

Am 17.04.2019 kamen wir, nach zweitätiger Anreise aus Deutschland, in Göteborg bei unserem, noch an Land stehenden, Zuhause an.
Wunderbares Wetter und die Vorfreude auf die kommende Saison erfüllten das Abarbeiten der to-do-Liste mit Spass.
Intensiv waren nicht nur die handwerklichen und technischen Baustellen. Auch das erneute Einrichten, Ankommen und Einleben brachten das ein oder andere „Aha!“, „Jippii!“ und „Oh, stimmt…!“ mit sich.
Nach einem arbeitsintensiven und erlebnisreichen Winter mit Familie und Freunden hiess es nun wieder: „Wir zwei und unser Mädchen!“
Falsch! Da ist ein neues haariges Crewmitglied dazugekommen: Karma, unser „Brummbär“, wie Martin unsere Katze liebevoll nennt, hat mit uns unser Zuhause bezogen.
Also: „Wir zwei und unsere beiden Mädchen!“

Neue Saison, neues Kapitel: Endlich war es soweit! Am 08.Mai 2019 (exakt 1 Monat vor dem letztjährigen Aufbruch) sollte unsere Reise ihre Fortsetzung und unser Leben an Bord zurück in den Alltag finden.
Man müsste meinen: „Übung macht den Meiser!“
Ja, unterdessen sind viele Handgriffe routinierter, Entscheidungen intuitiver und Aktionen bzw. Reaktionen eingespielter geworden. Die bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse haben uns zwar schlauer und erfahrener werden lassen, aber die lange Winterpause hat uns doch auch etwas einrosten lassen.
Die Sonne im Gesicht, den Proviant verstaut, Karma auf dem Schoss.
Mit der Durchfahrt der Götaälvbron verabschiedeten wir uns von unserem Überwinterungs-Zuhause Göteborg und brachen auf zu neuen Ufern bzw. zur ersten Ankerbucht, welche uns mit atemberaubender Schönheit daran erinnern liess, warum wir unser Blauwassermärchen leben.

Menschenleere Ankerbuchten, Häfen mit noch geschlossenen Hafenkontors, verschlossene „Schmökerläden“ und nicht zuletzt die tiefen Temperaturen wiesen uns sanft auf die „Off-Season“ hin. Davon unbeeindruckt, genossen wir die ruhige Fahrt durch das gut betonnte und in der Schärenabdeckung liegende Innenfahrwasser der prachtvollen Westschären Richtung Norden. Hin und wieder zeigte auf kurzen, offenen Abschnitten das Skagerrak seine weissen Schaumkämme, und ruppige Schiffsbewegungen liessen uns daran erinnern, dass eine gute Sicherung der Schapps und loser Gegenstände unverzichtbar ist.
Die freie Platzwahl in den Naturhäfen und die stressfreien Hafenmanöver an den leeren Gaststegen entschädigten für die verschlossenen Waschmaschinen-Räume.

Marstrand: Im Sommer soll dies der Treffpunkt der „Seglerprominenz“ der Westküste sein. Internationale Regatten starten hier.
Früher gewann Marstrand seine strategische Bedeutung durch die gute Verkehrslage. Die grossen Segelschiffe konnten den Hafen bei allen Winden sicher anlaufen.
Die Carlsten-Festung erhebt sich über dem Örtchen und ist bereits von Weitem zu erkennen. Ein schöner Inselspaziergang und eine unvergessliche Joggingrunde über Fels, durch Wald und entlang der Küste liessen uns das Örtchen erkunden und erleben.

Die landschaftlich reizvollen Innenfahrwasser und Sunde, wie der Kyrkesund, der Hamburgsund und der Havstensund und auch die teils künstlich angelegten Kanäle, wie der Sotenkanal zeigten das bunte Treiben in den charmanten Fischerdörfchen entlang der westschwedischen Küste. Der direkte Blick auf die liebevoll gestalteten Terrassen und teils sogar in das stilvoll dekorierte Wohnzimmer der Häuser am Wasser liessen uns beinahe Mitbewohner der ein oder anderen schwedischen Familie werden.

Wir genossen die Fahrt durch Naturschutzreservate wie Stigfjord mit zahlreichen guten Ankermöglichkeiten und schlängelten uns durch den schmalen, reizvollen, von hohen, bewaldeten Felsufern eingerahmten Nötesund.
Vorbei an den Werften von Malö, Najad und Hallberg-Rassy, welche im Norden von Orust liegen.

Orust: Nördlich von Göteborg liegt die Insel Orust. Sie ist Schwedens drittgrösste Insel nach Gotland und Öland.
Eine besondere Insel, welche in meinem Kopf Gefühlsregungen von Freude bis Wehmut erweckt hat.
Hier wurde damals unsere La Lupa, eine CR 37 Segelyacht gebaut.
Hier habe ich Ende der 90er Jahre einen Schwedentörn mit meiner Mama, meiner Schwester und meinem Daddy verbracht.
Hier gingen Martin und ich auf Spurensuche.
Per Bus ging es von der bezaubernden Bucht „Tviklippan“ nach Henan (unser damaliger Starthafen) und Kungsviken (Werft von Charles Rudgersson = CR) wo wir einige Geschwister von La Lupa entdecken konnten.
Ein Gänsehautmoment: Die erneute Erkenntnis über das unfassbar rasante Vorbeiziehen der Jahre und wie wichtig, wertvoll und unabdingbar es ist, das eine Leben, das man hat zu leben.

Smögen: Die kleine Insel Smögen in Bohuslän hat nur 1.300 Einwohner. Im Sommer sollen es mehr als doppelt so viele sein. Dazu kommen im Hafen einige Hundert Gäste auf Segel- und Motorbooten.
Smögen war eines unserer Highlights. Das Örtchen, welches man angeblich unbedingt einmal erlebt haben soll, lag noch im Winterschlaf.
Die kleinen bunten Fischerhäuschen, in denen sich Boutiquen und Kioske etabliert haben, der liebevoll gezimmerte Holzsteg entlang des Hafens bzw. der Smögebryggan und das Kopfsteinpflaster, welches zur Dorfkirche führt, liessen uns in Gedanken in die geruchs- und geräuschvolle Stimmung eintauchen, die während der Sommermonate hier zu herrschen scheint.
Drei Nächte verbrachten wir – fast allein – im Hafen und genossen die romantische Ruhe, die Magie des Örtchens, entspannte Gespräche mit unseren Bootsnachbarn.

Fjällbacka: Ein, im Sommer aus allen Nähten platzendes, Fischerdorf und Ferienort zwischen Hamburgsund im Süden und Grebbestad im Norden. Auch dieser malerische Ort blinzelte uns nur mit einem noch etwas verschlafenen Auge an. Die Busladung asiatischer Touristen, die dem Dörfchen lautstark die nötigen Umsatzzahlen bescherten, mal aussen vor gelassen.
Der imposante 74m hohe Fels, Vetteberget, unter dem einige Häuser an der Hamngatan gebaut sind, ragt hinter der Dorfkulisse empor. Er erweckt den Eindruck, obwohl eine Absicherung durch Betonkonstruktionen bereits versucht wurde, dass er diese alten Bauwerke irgendwann unter sich begräbt.

Jeder kennt das Gefühl: Die Zeit rast an einem vorbei und man hat den Eindruck nichts geschafft, zu wenig erlebt oder die falschen Entscheidungen getroffen zu haben.
Ich wünsche jedem die erfüllende Zufriedenheit, die wir bereits nach den ersten beiden Wochen der Segelsaison 2019 erneut erleben durften: Ohne schlechtes Gewissen, ohne Hinterfragen, ohne Reue so viele wunderschöne Eindrücke gesammelt, so viele Bilder gesehen, so viele Düfte gerochen und so viel Leben gelebt zu haben, als wäre die Zeit eine halbe Ewigkeit gewesen.

Mit diesen positiven und dankbaren Gedanken verbrachten wir unsere letzten Schweden-Tage in der wunderhübschen Bucht Trossö im Norden von Grebbestad und warteten auf ein passendes Wetterfenster, welches uns mit wenig Welle und gutem Wind nach Stavern in Norwegen segeln lassen sollte.

Segelsaison 2019: 9. Etappe

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